Die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte haben seit 2022 Phasen hoher Volatilität erlebt – geprägt von geopolitischen Spannungen, Leitzinserhöhungen und Handelsunsicherheiten. Gleichzeitig steigt die Zahl der Privatanleger, die aktiv an der Börse investieren. Dazu tragen die zunehmende Verbreitung von Online-Brokern und ETFs bei. Die AMF beobachtet, dass diese Anlegergruppe deutlich jünger wird. Viele sind selbstständig und digital vernetzt, doch ihre gemessenen Kenntnisse entsprechen nicht immer dem Selbstvertrauen, das sie an den Tag legen.
Selbstvertrauen und Kompetenz im Widerspruch: Was die AMF bei neuen Anlegern beobachtet
Eine gemeinsame Studie der AMF und der OECD aus dem Jahr 2024 beschreibt ein Phänomen, das genauer betrachtet werden sollte. Neue Privatanleger, häufig unter 35 Jahre alt, geben an, sich mit Finanzprodukten gut auszukennen. Ihr Vertrauen in die eigenen Kenntnisse ist hoch.
Das Problem: Die in derselben Studie durchgeführten Tests zum Finanzwissen zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und tatsächlichen Kenntnissen. Viele dieser Anleger beherrschen grundlegende Zusammenhänge nicht: die Auswirkungen der Diversifikation auf das Risiko, den Einfluss laufender Gebühren auf die langfristige Wertentwicklung oder den Unterschied zwischen nominaler und realer Rendite.
Diese Diskrepanz hat konkrete Folgen. Sie führt zu kürzeren Anlagehorizonten, als es das Alter dieser Anleger nahelegen würde, und zu Entscheidungen auf Grundlage von Informationen aus sozialen Netzwerken oder KI-Tools.
Ein Artikel von Les Échos vom Juli 2025 bestätigt, dass die AMF diese Kanäle als aufkommendes Thema betrachtet, sie jedoch nicht als Ersatz für eine strukturierte eigene Analyse anerkennt. Wer sich näher mit Marktmechanismen und Anlagestrategien befassen möchte, findet in der Börsenrubrik von Finance Technique regelmäßig aktualisierte Inhalte zu diesen Themen.

ETFs, PEA und Lebensversicherung: Erst den Anlagemantel, dann das Produkt wählen
Bevor man Aktien oder Fonds auswählt, steht eine grundlegende Entscheidung an: die Wahl des steuerlichen Anlagemantels. Sie bestimmt, welche Steuern auf Gewinne anfallen, welche Anlageklassen und Märkte zugänglich sind und wie flexibel sich das Portfolio verwalten lässt.
PEA: steuerliche Vorteile unter bestimmten Voraussetzungen
Der Aktiensparplan (PEA) ist nach wie vor der wichtigste Anlagemantel für Investitionen in europäische Aktien. Nach fünf Jahren Haltedauer sind Kursgewinne und Dividenden von der Einkommensteuer befreit; Sozialabgaben fallen weiterhin an. Die wichtigste Einschränkung betrifft die zulässigen Anlagen: Nur Wertpapiere von Unternehmen mit Sitz in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum dürfen darin gehalten werden.
PEA-fähige ETFs ermöglichen es jedoch, diese Einschränkung teilweise zu umgehen. Bestimmte synthetisch replizierende ETFs bieten Zugang zu US-amerikanischen oder globalen Indizes und können dennoch in einem PEA gehalten werden. Laut einer 2026 veröffentlichten Analyse der Revue Banque gehören sie zu den meistgehandelten Produkten bei Anlegern unter 35 Jahren.
Multisupport-Lebensversicherung: Flexibilität und Vermögensübertragung
Die fondsgebundene Lebensversicherung bietet einen anderen Rahmen. Sie ermöglicht die Kombination von Euro-Fonds (Kapitalgarantie) und fondsgebundenen Anlagen (Aktien, Anleihen, ETFs, Immobilien). Der Steuervorteil greift nach acht Jahren Haltedauer: Bei Auszahlungen gilt ein jährlicher Freibetrag auf die Erträge. Außerdem ist diese Anlageform für die Vermögensübertragung interessant, da übertragene Kapitalbeträge bis zu bestimmten Grenzen steuerlich begünstigt sind.
Die Wahl zwischen PEA und Lebensversicherung ist keine Entweder-oder-Entscheidung. Beide Anlagemäntel können Teil einer Vermögensstrategie sein und jeweils unterschiedlichen Zielen dienen.
Ein Portfolio aufbauen: Diversifikation und Risikomanagement
Diversifikation ist der einzige Mechanismus zur Risikoreduzierung, der nichts kostet. Wer seine Anlagen auf verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen verteilt, begrenzt die Auswirkungen eines einzelnen Kurssturzes auf das Gesamtportfolio.
ETFs erleichtern die Diversifikation in der Praxis. Ein einziger globaler Aktien-ETF bildet einen Index mit mehreren Hundert oder sogar Tausenden Wertpapieren nach. Globale Aktien-ETFs und US-Aktien-ETFs zählen laut den von der Revue Banque veröffentlichten Daten in den vergangenen Jahren zu den meistgehandelten Produkten bei Privatanlegern.
Beim Thema Risiko geht es nicht nur um Diversifikation. Wichtig ist auch, Folgendes festzulegen:
- Einen Anlagehorizont, der zu den eigenen Zielen passt: Wer weniger als fünf Jahre an der Börse investiert, setzt sich einem erheblichen Verlustrisiko aus – selbst bei breit gestreuten Indizes
- Eine Zielaufteilung auf Aktien, Anleihen und liquide Mittel, die regelmäßig an die persönliche Lebenssituation angepasst wird
- Ein Anlagebudget, das nicht die Rücklage für Notfälle angreift – also die Beträge, die benötigt werden, um mehrere Monate lang unvorhergesehene Ausgaben zu decken
Fundamentalanalyse und technische Analyse: zwei Perspektiven auf die Märkte
Zur Bewertung eines Wertpapiers oder Marktes gibt es zwei Ansätze, die unterschiedliche Fragen beantworten.
Die Fundamentalanalyse untersucht die finanzielle Lage eines Unternehmens: Umsatz, Gewinn, Verschuldung und Branchenaussichten. Sie soll ermitteln, ob der Aktienkurs den tatsächlichen Unternehmenswert widerspiegelt. Dieser Ansatz eignet sich für Anleger, die mittel- bis langfristig denken.
Die technische Analyse befasst sich mit Kursbewegungen und Handelsvolumen. Anhand der historischen Kursentwicklung identifiziert sie Trends sowie Unterstützungs- und Widerstandsniveaus. Sie wird häufiger für kurzfristige Anlagen und für den richtigen Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf eingesetzt.
Keine der beiden Methoden garantiert ein bestimmtes Ergebnis. Von Unternehmen veröffentlichte Finanzdaten können unvollständig oder für Laien schwer zu interpretieren sein. Technische Signale beruhen auf statistischen Mustern, deren Zuverlässigkeit je nach Marktlage variiert. Beide Ansätze zu kombinieren, ist unter erfahrenen Anlegern üblich – das Verlustrisiko wird dadurch jedoch nicht ausgeschlossen.

Gebühren und Steuern: Faktoren, die die Rendite schmälern
Ein Portfolio kann eine zufriedenstellende Bruttorendite erzielen und dennoch netto enttäuschen. Ordergebühren, Verwaltungsgebühren für Fonds oder ETFs und die Besteuerung von Gewinnen werden von Einsteigern häufig unterschätzt.
- Die jährlichen Verwaltungsgebühren eines ETFs variieren je nach Produkt, liegen aber in der Regel unter denen aktiv verwalteter Fonds. Vor der Auswahl eines Fonds die laufenden Kosten zu vergleichen, gehört zu den grundlegenden Schritten
- Die Ordergebühren hängen vom Broker und der Auftragsart ab. Einige Online-Broker bieten für ausgewählte ETFs provisionsfreie Orders an
- Die Besteuerung richtet sich nach dem gewählten Anlagemantel (PEA, Lebensversicherung oder gewöhnliches Wertpapierdepot) und der Haltedauer. Bei einem gewöhnlichen Wertpapierdepot wird auf Gewinne standardmäßig die pauschale Abgeltungssteuer erhoben
Bei einer langen Anlagedauer kann der Unterschied zwischen einem Fonds mit hohen Gebühren und einem kostengünstigen ETF einen erheblichen Teil des angesammelten Kapitals ausmachen. Dieser Faktor sollte bereits beim Aufbau des Portfolios berücksichtigt werden – nicht erst bei der späteren Bilanz.



